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Gestern im Auto, da hatte ich noch eine Idee, wie ich beginnen wollte, aber irgendwann setzte ich mich dann hin und begann. Und trauerte der Idee nach. Also tat ich so, als ob ich nicht beginnen würde. Es kommt auf die ersten drei Sätze an, und meine ersten drei Sätze sind sinnlos. Das liegt daran, dass ich gerade eine sinnlose Amerikanische Serie im Fernsehen sehe. Nein, eigentlich ist es die Wiederholung einer sinnlosen Amerikanischen Serie, oder ehrlich gesagt die zweite Wiederholung. Aber das kann ich nicht zugeben, denn das hiesse ja, dass ich mein Leben oder den Beginn meines Lebens damit verbringe, sinnlose Amerikanische Serien zu sehen. In Anbetracht dessen, dass das Leben sinnlos ist, ist das ja auch egal, obwohl in Anbetracht dessen ein sehr blöder Anfang für einen Satz ist, aber nicht sinnlos, denn man beginnt ja einen Satz damit. Ich zwinge mich Punkte anstatt Kommas zu setzen, aber in der Serie, da sagte der Hübsche, den ich ja nicht hübsch finde, aber er ist so besetzt, dass die Frau, die relevante Frau, also nicht ich, denkt, dass sie einen Hund vor sich hat. Hunde, also Männer, die Frauen werberelevant vor sich sehen sollen, sind nicht so, wie ich sie sehe, sondern kleine Hunde mit Augen wie Autoscheinwerfer. Der relevante Mann in einer sinnlosen Serie, der aussah wie ein Hund also sagte, es komme beim Schreiben nur auf eines an. Ob es einen glücklich mache. Und da dachte ich, ich könne es ja mal ausprobieren, denn ich bin unglücklich. Das ist die ganze Geschichte. Und beinahe hätte ich hier aufgehört. Denn das Schreiben macht mich glücklich, aber nur, weil ich dabei Weisswein trinke, ich weiss, es würde mich noch glücklicher machen, wenn ich dabei einen Joint rauchte, aber ich habe mit dem Rauchen aufgehört, weil mir mein Glück schon immer egal war. Mein Glück ist eine Foltermaschine, die Zahnärzte erfunden haben, damit sie einen auf ihren Stuhl legen und sagen können, denken Sie an ihr letztes glückliches Erlebnis, und wenn einem dann nichts einfällt, bevor der Mann ansetzt, dann bleibt man auf ewig in der bohrenden Realität und ist auch noch selbst schuld daran. Mir ist zwar mit grösster Anstrengung eingefallen, wie ich einmal am Reiten war, zusammen mit meiner Schwester, und wir so lange galoppierten, bis die Pferde halbtot waren. Das Wichtige dabei war, immer im Kreis durch den Wald zu reiten, gerade soweit voneinander entfernt, dass wir uns nicht sehen konnten, aber ich wusste, dass mir das nur einfiel, weil ich endlich einmal einen Augenblick in der Natur geniessen wollte, anstatt immer nur zu denken, was finden die Leute nur daran. Auch dachte ich, in unglaublicher Raffinesse mein Glück als den Moment zu denken, wenn ich denn vom Zahnarztstuhl aufstehen würde, aber die Idee schied wegen Ihrer Offensichtlichkeit aus, weil mich das Offensichtliche unglücklich macht. Nicht so, dass mich verhungernde Kinder oder Schnurrbärte unglücklich machten, sondern so, dass es mich unglücklich macht, dass es für andere einfache Antworten zu geben scheint. Sich über Politiker aufzuregen. Zu offensichtlich, scheidet aus. Sex sowieso, obwohl ich eine gewisse Perfektion darin entwickelt habe, mich durch ihn unglücklich zu machen. Auch zu offensichtlich. Ok dann halt so, dass mir Sex geht am Arsch vorbei geht. Ich müsste hier das erste Mal wünschen, ich schriebe einen Roman, sonst bekomme ich nie mehr einen Mann ab und meine Mutter, die wird nie mehr ein Wort mit mir reden, aber das wäre sowieso der Fall. Schon wieder ein gutes Ende. Mich verwundert, dass ich im Leben noch nie ein gutes Ende fand, mir liegt es vollkommen fern, mich selbst umzubringen, ich verstehe nur nicht weshalb. Meistens finde ich, dass es daran liegt, dass mir das Leben zu wenig bedeutet, aber das ist ja dann schon wieder offensichtlich. Die Angst vor dem Offensichtlichen treibt mich immer weiter, führt aber dazu, dass die Leute mich nicht mehr verstehen können, und ich weiss nicht, was das bringen sollte, fettarme Wurst ist halt fettarm, mein Gott, damit sollte ich doch wohl leben können.
zeitgenossen - 27. Apr, 17:57